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lautete ein Spruch auf meinem Kalenderblatt.

Hat dieser Satz auch seine Gültigkeit in der Schule - im täglichen Schulstress, im Kampf um Lehrplaneinhaltung, Zensurenfindung, bei wenig motivierten oder auch unwilligen Schülern?

Ich habe in meiner 29-jährigen Tätigkeit an verschiedenen Haupt- und Realschulen die Erfahrung gemacht, dass dieser Satz, diese Einstellung, in unserem Beruf als Lehrer, im Umgang mit jungen Menschen, in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.

Je schwieriger die Schüler werden, desto mehr müssen wir mit dem Herzen arbeiten. 

Wie ist es zu erklären, dass bei einer sehr problematischen Klasse der eine Lehrer große Schwierigkeiten hat und auf erhebliche Widerstände stößt und ein anderer am gleichen Tage, nur 45 Minuten später,  in Ruhe und Harmonie unterrichten kann? 

Worin liegt das Geheimnis und der Erfolg guter pädagogischer Arbeit? Mit guter Arbeit meine ich die ganzheitliche Sicht: eine positive Lernbereitschaft der Schüler, in einer entspannten, freundlichen  Atmosphäre, bei gleichzeitiger Konsequenz und Klarheit  in der Vermittlung des Unterrichtsstoffes. 

Als ich vor einigen Jahren zwei sehr unterschiedliche Lerngruppen einer 7. Hauptschulklasse übernehmen musste, war mir zunächst nicht so ganz klar, wie lange ich das gesundheitlich aushalten würde. Zudem bekam ich von meinem Schulleiter noch einen  Kollegen als Verstärkung an meine Seite gestellt, der durch sein autoritäres Auftreten  die Situation nur noch verschlimmerte.

In dieser Zeit habe ich eine wichtige Lebenslektion von Grund auf begriffen :
Wenn wir in der Verurteilung dieser schwierigen Kinder stecken bleiben, wenn wir sie gar beschimpfen, sie bestrafen, sie permanent ausgrenzen, gehen wir in Resonanz mit dem negativen Teil in ihnen und rufen die ihnen allzu sehr vertrauten Abwehrmechanismen hervor, wie lügen, frech werden, unverschämt sein etc. . Eine Eskalation ist vorprogrammiert. 

Wir müssen keine neuartigen Methoden erfinden oder uns aneignen, um Schüler zum Arbeiten zu bringen. Nein, alles kann ganz einfach sein. Die entscheidende Frage ist nur,  wie wir es tun, in welcher inneren Haltung wir den Schülern begegnen. Die banalste Grammatikstunde kann wunderbar gelingen, wenn wir mit Spaß und Freude bei der Sache sind.

Wenn wir es schaffen, den Kinderseelen mit Respekt und Liebe zu begegnen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und sie in ihrer Würde niemals zu verletzen, leisten wir Gottesdienst in der Schule. 

Als guter Pädagoge mit therapeutischen Fähigkeiten sollten wir bei Konflikten mit Schülern in der Lage sein, uns aus unserer eigenen Betroffenheit zu lösen. Gelingt es uns dann, in die „Vogelperspektive“ zu gehen, so lässt sich erkennen, dass jedes Fehlverhalten ein Hilfeschrei nach Liebe und Gesehenwerden ist.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die verhaltensauffälligsten Schüler oft ganz sensible junge Menschen  sind, die unter extrem schwierigen häuslichen Verhältnissen leiden. Hinter dem sogenannten „Bösen“ verbirgt sich immer das gequälte Gute!!!

Welch’ eine dankbare Aufgabe kann es sein, diesen Kindern mit einem verstehenden, mitfühlenden Herzen zu begegnen und ihnen Zeit und ein offenes Ohr zu schenken !

Um ein Vielfaches zahlt sich das im Unterricht aus. Schüler reagieren dann ohne große Anstrengung wieder auf die leisen Töne. Ein freundlicher Blick oder ein kurzes Kopfschütteln  genügen oft, um eine Verhaltensveränderung hervorzurufen. 

Wenn wir den Zugang zu den Kinderherzen gefunden haben, dann lässt sich mit einem Lächeln weitaus mehr bewirken,  als mit Druck und bösen Worten. 

Mit Liebe und Verständnis für die Schüler aktiviere ich ihren positiven Teil und bringe ihn  zum Klingen. In diesem geschützten Rahmen können sie das Gute in sich leben lassen. Ihr neu gewonnenes Vertrauen  ist äußerst kostbar – sehr achtsam müssen wir damit umgehen.  

Unterstützend bei dieser Arbeit ist auch der Einsatz von klassischer Musik und anderen,  für die Seele der Kinder sehr harmonisierenden Klängen. Ich denke dabei z.B. an das Largo von Händel, den Canon von Pachelbel oder die Harmonie I und II  von Alexander Aandersan. Die letztgenannte Musik wird auch im therapeutischen Bereich mit großem Erfolg eingesetzt.

Interessant ist abschließend festzustellen, dass diese Kinder, die mit dem Prinzip der Liebe in Berührung gekommen sind, nur noch ganz schwer Lehrer aushalten können, die verletzen, die grob sind, die ohne Verständnis und Mitgefühl verurteilen und die die Würde der Kinderseelen missachten.

NÄCHSTENLIEBE ist die beste Voraussetzung und Grundlage für ein konstruktives, harmonisches und erfolgreiches Miteinander in der Schule!!!

 

 
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